98,6° FAHRENHEIT

ENGLISH

 

What does have the Holocaust to do with me?

This elementary necessary question, which is both individual, as

even in the societal context of current, global political events is again and again to be asked, has long been in the focus of my meditation.

 

Even before I started thinking about implementing a photo project dealing with the structures and events of crimes committed against humanity during the Nazi dictatorship and the Holocaust, I wanted to get to the bottom of this essential question for myself.

 

It was not a purely rhetorical answering for me in the foreground, but I wanted to make me aware of the significant meaning of dealing with reminding and remembering.

 

My first perceived encounter with the events of the years 1933 - 1945 I already had as a little boy at the age of about four years.

 

At that time, I often spent the early morning hours with my grandfather to paint coloring books.

 

I remember very vividly how he sat there in the dim light of a Bauhaus floor lamp on the brown leather couch, wearing his red dressing gown and smoking one cigarette with pleasure after the next.

 

In addition to the always overcrowded brass ashtray were always several books or magazines in which he read at the same time.

 

I still remember one more detail from my grandfather.

The many small and dark inclusions and places that covered his arms and torso.

 

Some of these places were even a little raised, so I could touch them with my little children's hands.

 

There were shrapnel all over his body.

 

Stigmatizing remembrances of his operation on the Eastern Front in Russia, which had bored not only deep into his flesh, but apparently also into his soul.

 

So it came about that I came into contact with the topics of National Socialism at a very early stage, which strengthened my interest to the present day to deal in detail with the contents and events of that era.

 

When I came to photography a few years ago, I realized very quickly that I wanted to bring to life a personal, social documentary and pictorial work.

 

It's called:

 

98,6° Fahrenheit

(via the link you will get directly to the page of the project and to the photos)

DEUTSCH

 

Was hat der Holocaust mit mir zu tun?

 

Diese elementar notwendige Frage, die sich sowohl individuell, als

auch im sozialgesellschaftlichem Kontext der aktuellen, global politischen Ereignisse immer wieder erneut zu stellen ist, existiert schon lange im Fokus meines Nachsinnens.

 

Noch bevor ich auch nur ansatzweise darüber nachdachte ein Fotoprojekt umzusetzen, welches sich mit den Strukturen und Geschehnissen der begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der NS - Diktatur und dem Holocaust beschäftigen sollte, wollte ich dieser essentiellen Frage für mich auf den Grund gehen.

 

Dabei stand für mich nicht eine rein rhetorische Beantwortung im Vordergrund, vielmehr wollte ich mir den bedeutsamen Sinn des sich Auseinandersetzens mit dem Erinnern und Gedenken bewusst machen.

 

Meine erste wahrgenommene Begegnung mit den Zeitgeschehnissen der Jahre 1933 - 1945 hatte ich bereits als kleiner Junge im Alter von ungefähr vier Jahren.

 

Zu dieser Zeit verbrachte ich oft die frühen Morgenstunden gemeinsam mit meinem Großvater um Malbücher auszumalen.

Ich erinnere mich noch sehr lebhaft daran wie er dort im schummrigen Licht einer Bauhaus-Stehlampe auf der braunen Ledercouch saß, seinen roten Morgenmantel trug und genüßlich eine Zigarette nach der nächsten rauchte.

 

Neben dem stets übervollen Messingaschenbecher lagen immer mehrere Bücher oder Zeitschriften, in denen er zeitgleich las.

 

Ich vermag mich noch an ein weiteres Detail bei meinem Großvater genau zu erinnern.

An die vielen kleinen und dunklen Einschlüsse und Stellen mit denen seine Arme und der Oberkörper übersät waren.

Manche dieser Stellen waren sogar ein wenig erhaben, so dass ich sie mit meinen kleinen Kinderhänden ertasten konnte.

 

Überall in seinem Körper stecken Granatsplitter und Schrapnelle.

Stigmatisierende Andenken von seinem Einsatz an der Ostfront in Russland, welche sich nicht nur für immer tief in sein Fleisch, sondern offenbar auch in seine Seele gebohrt hatten.

So kam es, dass ich schon sehr früh mit den Themen des Nationalsozialismus in Berührung kam, welches mein Interesse sich bis heute, mit den Inhalten und Ereignissen jener Epoche eingehend zu beschäftigen, nachhaltig stärkte. 

 

Als ich vor einigen Jahren zur Fotografie kam, wurde mir sehr schnell klar, dass ich ein eigenes, sozialdokumentarisches und bildhaftes Werk zum Leben erwecken wollte.

 

Es trägt den Namen:

 

98,6° Fahrenheit

(über den Link gelangst Du direkt auf die Seite des Projekts und zu den Fotos)


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