IN  THE  PIT  - 5 YEARS  OF  BAD  LIGHT, SWEAT  AND BEERS

 

How  Everything  Began

 

(Impressions Below The Text)

 

Markus (r.) / Founder Of The Moshpit Crew Cassel And Owner Of The Club "Goldgrube Together With Sönke / Stage Light Engeneer
Markus (r.) / Founder Of The Moshpit Crew Cassel And Owner Of The Club "Goldgrube Together With Sönke / Stage Light Engeneer

DEUTSCH

 

Als ich 2013 begonnen habe zu fotografieren, war ich ein gottverdammter, blutiger Anfänger mit einer Kamera, einem beschissenen 50mm und einem 35mm Objektiv und mit null Ahnung von der Fotografie. 

Begriffe wie Belichtungszeit, ISO oder Blende waren spanische Dörfer für mich.

Alles war neu und aufregend an der Fotografie und ich fühlte mich wie ein König mit der Kamera um den Hals.

 

Alles was ich hatte wahr eine unvoreingenommene Neugier, ich war unerschrocken, mutig und ich war wißbegierig.

Ich saugte alles in mich auf. Stundenlang saß ich über Fotobüchern und vor mir breitete sich der Zugang zu einer neuen Welt in monochrom aus.

Ich war beeindruckt von der unendlichen Tiefe der Bildaussagen, dem Ausdruck und der Kraft und wie sehr sich eine Geschichte auf das Maximale reduziert, mit einem einzelnen Foto in schwarz-weiß erzählen ließ.

 

In dieser Zeit lernte ich Markus kennen, den Gründer der Moshpit Crew Cassel, einer Konzertveranstaltungsgruppe für Underground Heavy Metal und Hardcore Konzerte in Kassel.

Er und sein Buddy TamTam luden mich in den Hellroom zu einem Konzert ein und boten mir an Fotos vom Konzert zu machen.

Der Hellroom war ein vielleicht 60qm großer Probenraum im Industriegebiet von Kassel.

Es roch nach Bier, Schnaps, Schweiß und Zigaretten.

Die Wände waren mit Postern und Plakaten tapeziert.Von der Decke hingen Tarnnetze und die Fensterscheiben waren mit Tüchern abgehangen.

Die Möbel waren runtergekommen und von was die diversen Flecken auf der Couch waren ließ sich nur in meiner Fantasie rekonstruieren.

An meinem ersten Konzertabend waren vielleicht 30 Menschen im Hellroom.Luft zum atmen gab es nicht mehr.Das Licht war scheiße zum fotografieren, der Sound der Boxen war schlecht und übersteuert und die Band aus Norwegen war bereits besoffen als sie anfingen zu spielen.

 

Hier entstanden meine ersten Aufnahmen. Sie waren schlecht. Unterbelichtet oder überbelichtet und meistens unscharf.

Doch Markus gefielen sie. Und so lud er mich wieder ein...und wieder...und wieder und wieder. Für freien Entritt, Freigetränke und Backstagezugang.

Irgendwann wurde die Konzerte vom Hellroom ins K19 auf dem Unigelände verlegt.

Aus 30 Besuchern wurden 100 und mehr. Die richtig großen Shows fanden auf einmal im Musiktheater mit bis zu 500 Besuchern statt und irgendwann kam auch die Goldgrube in der Nordstadt als Veranstaltungsort mit hinzu. Heute der feste und eigene Club der Moshpit Crew.

 

Mit wachsendem Bekanntheitsgrad der Moshpit Crew Cassel, stieg auch das mediale Interesse an Ihnen und Ihren Konzerten. Mit der Zeit kamen dann auch die großen Namen der Heavy Metal Szene und die Pressefotografen.

Ich kann mich noch gut an die erste Show im Musiktheater erinnern. Es gabe einen Fotograben in dem ich mit drei oder vier anderen Fotografen stand.Neben mir stand ein Typ mit einem ewig langen Objektiv an der einen Kamera und einem noch längeren Objektiv an der zweiten Kamera.

Die Show begann und der Typ legte los.

Klack,klack,klack,klack. Wie mit einer AK im Dauerfeuer ballerte er mit seiner Kamera los und ich dachte, what the fuck, was macht der Typ da?

 

Ich hatte meine Nikon D700 mit einem 35mm Objektiv und eine analoge Canon AE-1 mit einem 50 mm Ojektiv um den Hals und mich machte der Typ neben mir echt sick.

Also machte ich was ich immer machte. Ich sprang auf die Bühne und ging nah an die Künstler ran. Ich dachte nicht einen Augenblick darüber nach was ich dort machte, ich spürte nur das es sich richtig anfühlte und auf meiner Zugangskarte stand ja immerhin Access All Areas.

In einer Pause zwischen zwei Bands kam der Typ dann zu mir, stellte sich vor, hielt mir stolz das farbige Display seiner Kamera unter die Nase und sagte: "Geile Aufnahmen oder? Krasse Lichtshow! Ich habe bestimmt schon an die 500 Aufnahmen in der Tasche; werden bestimmt so um die 3000 heute Nacht!". 

Ich sah ihn fassungslos an und sagte: "3000 Aufnahmen? What the hell! Alter, ich hätte gar keinen Bock mir so viele Fotos durchsehen zu müssen, das ist mir zu stressig.Ich mache pro Show und Abend vielleicht 50, maximal 200 Fotos. Die Lichtshow ist mir auch scheißegal, mir geht es um die Bands und um die Menschen!".Ich drehte mich um und ging.

 

Ich hatte einmal ein Zitat von Robert Capa gelesen: "If Your Pictures not good enough, you're not close enough!".

Und an diesem Abend wusste ich, daß ich anders ticke. Das ich anders sehe, daß ich anders fühle und daß mir dieser Highspeed Photography Circus auf die Eier ging.
Ob meine Fotos wirklich gut genug waren, das wusste ich nicht. Aber ich war zumindest schon mal nah dran.Nah an den Menschen, nah am Geschehen und nah im Fühlen und Sehen.

 

Aus diesem einen Abend im Hellroom wurden etwas über 5 Jahre in denen ich in meiner Freizeit und an den Wochenenden Fotos von den Konzerten der Moshpit Crew Cassel und irgendwann auch für den Veranstalter der Scream Festivals und für Dirk, den Veranstalter der Masters Of Cassel Serie machte.

Ich blieb bei den 50mm und 35mm und ergänzte diese mit 24mm und 28mm Brennweiten. Bis zu letzt war ich bei jedem Konzert nicht nur vor der Bühne aktiv, sondern auch immer auf der Bühne mit den Musikern und Künstlern.

In dieser ganzen Zeit habe ich nicht einen Cent an meinen Fotos verdient. Und das stand auch nie im Vordergrund. Es ging nicht um Fame and Money. Es ging um gemeinsamen Spaß, Respekt und Achtung voreinander und vor allem ging es um die Liebe zur Fotografie. Die Liebe zu den Menschen, der Musik und um eine gute Zeit mit Freunden.

 

2020 brach Corona auf der Welt aus. Die Clubtüren blieben geschlossen, die Boxen verstummten, Konzerte fanden nicht mehr statt und ich zog aus Kassel weg.

8 Jahre nach meiner ersten Aufnahme und mit fast 10.000 Aufnahmen im Archiv, ist dies ein guter Zeitpunkt mit den Aufnahmen an die Öffentlichkeit zu gehen und den Menschen, Freunden und Bands zu danken, die mir Türen öffneten und mich teilhaben ließen an einer unvergesslichen und aufregenden Zeit.

 

"In The Pit - 5 Years of Bad Light, Sweat and Beers" ist Euch allen in Dankbarkeit und Freundschaft gewidmet.

 

ENGLISH

 

When I started making photos in 2013, I was a goddamn, bloody rookie with a camera, a shitty 50mm and 35mm lens, and no idea about photography.

Terms like exposure time, ISO or aperture were Spanish villages for me.

Everything was new and exciting about photography and I felt like a king with the camera around my neck.

 

All I had was an unbiased curiosity; I was fearless, had the balls to risk something and I was inquisitive.

I soaked it all up. For hours I sat over photo books and in front of me the access to a new world in monochrome spread out.

I was impressed by the infinite depth of the image statements, the expression and the power and how much a story can be reduced to the maximum, told with a single photo in black and white.

 

During this time I got to know Markus, the founder of the Moshpit Crew Cassel, a concert organization group for underground heavy metal and hardcore concerts in Kassel.

He and his buddy TamTam invited me to a concert in the Hellroom and offered me to make photos of the concert.

The Hellroom was a rehearsal room measuring perhaps 60 square meters in the industrial area of Kassel.

It smelled of beer, brandy, sweat and cigarettes.

The walls were covered with posters and placards, camouflage nets hung from the ceiling, and the window panes were hung with cloth.

The furniture had come down and what the various stains on the couch were from could only be reconstructed in my imagination.

On my first concert evening there were maybe 30 people in the Hellroom, there was no more air to breathe, the light was shit for making photos, the sound of the speakers was bad and overdriven and the band from Norway was already drunk when they started playing.

 

This is where my first recordings were made. They were bad. Underexposed or overexposed and mostly out of focus.

But Markus liked them. And so he invited me again ... and again ... and again and again. For free entry, free drinks and backstage access.

At some point the concerts were moved from the Hellroom to the K19 on the university grounds.

30 visitors turned into 100 and more. The really big shows took place all at once in the Musiktheater with up to 500 visitors and at some point the Goldgrube in the northern part of the city was added as an event location. Today the moshpit crew's permanent and own club.

 

As the awareness of the Moshpit Crew Cassel grew, so did the media interest in them and their concerts. Over time, the big names of the heavy metal scene and press photographers came along.

I can still remember the first show in the musical theater. There was a photo pit in which I stood with three or four other photographers.

 

Next to me was a guy with an eternally long lens on one camera and an even longer lens on the second camera.

The show started and the guy kicked off.

Click, click, click, click. Like an AK in sustained fire, he shot off with his camera and I thought, what the fuck, what is that guy doing?

 

I had my Nikon D700 with a 35mm lens and an analog Canon AE-1 with a 50mm lens around my neck and the guy next to me made me sick.

So I did what I always did. I jumped on stage and got close to the artists. I didn't think for a moment about what I was doing there, I just felt that it felt right and after all, my access card said Access All Areas.

During a break between two bands, the guy came to me, introduced himself, proudly held the colored display of his camera under my nose and said: "Dope shots, right? Awesome light show! I'm sure I already have around 500 shots in my pocket ; will be around 3000 or more tonight! ".

I looked at him in disbelief and said: "3000 pictures? What the hell! Dude, I wouldn’t have to look through so many photos, that’s too stressful for me. I take maybe 50, a maximum of 200  photos per show and evening. I don't give a shit about the light show, I'm about the bands and the people! "I turned around and left.

 

I once read a quote from Robert Capa: "If Your Pictures not good enough, you're not close enough!".

And that evening I knew that I ticked differently. That I see differently, that I feel differently and that this Highspeed Photography Circus pissed me off.

I didn't know whether my photos were really good enough. But at least I've been close at one point: close to people, close to what is happening and close to feeling and seeing.

 

This one evening in the Hellroom turned into a little time over 5 years in which I made photos of the concerts of the Moshpit Crew Cassel in my free time and on the weekends and at some point also for the organizer of the Scream Festivals and for Dirk, the organizer of the Masters Of Cassel series .

I stayed with the 50mm and 35mm and added 24mm and 28mm focal lengths. Up to the last, I was not only active in front of the stage at every concert, but also always on stage with the musicians and artists.

 

In all this time I haven't earned a dime with my photos. And that was never in the foreground for me. It wasn't about fame and money. It was about having fun together, respecting each other and, above all, about the love of photography. The love for the people, the music and having a good time with friends.

 

Corona broke out in the world in 2020. The club doors stayed closed, the speakers fell silent, concerts stopped and I moved away from Kassel.

8 years after my first recording and with almost 10,000 recordings in the archive, this is a good time to go public with the recordings and to thank the people, friends and bands who opened doors for me and allowed me to participate in an unforgettable and exciting time.

 

"In The Pit - 5 Years of Bad Light, Sweat and Beers" is dedicated to you all in gratitude and friendship.

 

 

 


CREW, CROWD  AND  BACKSTAGE  IMPRESSIONS